Thursday, 27. September 2007
Dirk Behlau - Interview bei KinKats.com


Hier mal das komplette Interview, das Rod Usher für die KinKats mit mir im Mai 2007 geführt hatte:

Dirk "Pixeleye" Behlau
Wer Hot Rods mag, kennt Dirk Behlaus Fotos. Wer Pin-Ups mag, kennt Dirk Behlaus Fotos. Und wer auf kinkats.com surft, wird seine Bilder früher oder später entdecken. "Pixeleye" - wie er sich selbst nennt - ist zu einem der renommiertesten Fotografen der Rockabilly und 50s - Szene geworden. Seine individuelle Art der Bild-Komposition ist ein Grund dafür, ein anderer seine Umtriebigkeit. Behlau ist ein Hans-Dampf-in-allen-Gassen. Und trotzdem merkt man immer, wo seine wahre Leidenschaft liegt: Girls, Cars & Rock "n Roll. Damit passt er perfekt zu Kinkats. Und wir sind mehr als glücklich, ihn an Bord zu haben.

Wie und Warum bist du zur Fotografie gekommen?
Angefangen hat das bei mir schon in frühester Kindheit, als mein Vater mir eine "Ritsch-Ratsch" Kamera schenkte...bei uns in der Familie wurde schon immer viel fotografiert und ich hab alles geknipst was sich bewegt, aber damals bevorzugt schon Skater und BMX-Fahrer. Ich hab aber nie eine klassische Fotografenausbildung gemacht, sondern bin eher so der Autodidakt - wie eigentlich bei fast allem was ich mache. Professionell fotografiere ich seit circa 7 Jahren. Zuerst viel Architektur und Interior Design Sachen, später kamen amerikanische Autos, Pin-Ups und Bands dazu. Immer wenn ich mal zurückschaue, muss ich selbst schmunzeln wie alles so gekommen ist.

Was waren deine ersten Projekte, womit hast du Erfahrungen gesammelt?
Durch meinen Designbackground (ich bin halb Fotograf, halb Grafikdesigner) konnte ich schon immer meinen Kunden mehr oder weniger alles aus einer Hand liefern, sprich wenn z.B. eine Band eine CD gestaltet haben wollte konnte ich auch gleich ordentliche Fotos von der Truppe machen. Ich bin seit über zehen Jahren im Bereich neue Medien aktiv und hab unzählige Projekte für internationale Kunden realisiert - die Fotografie ist dabei nur eine Komponente, wenngleich auch mitlerweile eine ziemlich Große. Meine ersten Projekte waren Logos und Fotos für Metalbands Ende der 80ziger...

Du fotografierst viel Hot-Rod / 50s Style. Woher kommt diese Neigung?
Ja, da bin ich auch irgendwie so reingeraten...haha. Ich war mal vor ein paar Jahren auf einem Drag Racing Event, dass mich ziemlich geflasht hat und seitdem war ich völlig infiziert. Recht schnell folgten dann Websites und Fotos für Racing Teams. Ich stehe auf authentische Leute und Sachen, die ihren eigenen Stil haben. Old-school Hot Rodding ist stylisch und authentisch, der Stil irgendwie nostalgisch aus einer Zeit als es noch sowas wie Freundschaft, Werte und Zusammenhalt gab. Die gute alte Zeit halt...haha. Wenn ich Fotos aus Amerika der 50erund 60er Jahre sehe geht mir das Herz auf. Die Siebziger hab ich ja in voller Bandbreite mit allen Abartigkeiten selbst miterlebt, aber die fünziger/sechziger Jahre sind für mich einfach das Nonplusultra an Stil und Charme. Ich versuche in meinen Fotos diese Stimmungen auf meine Weise festzuhalten.

Worauf legst du bei Fotos großen Wert?
Fotos die mich ansprechen, sollten authentisch wirken, dynamisch mit frischen Ideen und auf keinem Falls dem Einheitsbrei entsprechen. Viele Fotografen kopieren einfach nur wie wild irgendwelche Trends und haben keine eigene Identität. Das interessiert mich alles nicht, bei vielen Sachen bin ich einfach nur gelangweilt. Klar, man darf sich gerne inspirieren lassen aber man sollte irgendwann sein eigenes Ding machen. Ich versuche durch neue Ansätze, Perspektiven und Ideen meine Visionen in die Realität umzusetzen. In jedem Fall beschäftige ich mich eingehend mit der jeweiligen Thematik und tauche in ihr ein - ich bin nicht nur Zuschauer sondern mitten im Geschehen. Man muss eins werden mit dem Thema, egal ob man Hot Rods, Punkbands oder Möbel fotografiert.
Man muss die Dinge verstehen und verinnerlichen - das merkt man dann guten Fotos auch an. Nur an der Oberfläche zu kratzen ist nicht mein Sache.

Was unterscheidet die Art von Fotos die du machst, von anderen Stilen, z.B. Fetish, Glamour, etc?
Ich denke eigentlich gar nicht groß darüber nach sondern mache die Dinge einfach. Viele Themen finden mich. Viele Leute sagen mir immer das meine Fotos immer eine ganz eigene Stimmung haben und das man diese aus vielen anderen sofort heraushalten kann. Das freut mich natürlich...ich bin aber weniger der Kopfmensch, der alles vorplant sondern ich begebe mich in die jeweilige Situation und handele dann. Das finde ich viel spannender und meistens funktioniert das auch ganz gut....haha. Grundsätzlich finde ich fast alle Stile spannend, wenn es gut gemacht ist.

Was sind deine Einflüsse? Andere Fotografen, Künstler, Bands...
Auf jeden Fall ist das der Rocknroll in all seinen Facetten vom Punkrock, Metal, Psychobilly usw. Bans wie Motörhead begleiten mich schon seit 25 Jahren, das prägt sicherlich. Ich bin großer Fan skandinavischer Möbelgestalter wie Verner Panton, Eero Aarnio, Illustratoren wie Rian Hughes, Francois Chalet und Designbüros wie House Industries, Büro Destruct usw. Ich reise gerne und lerne neue Leute kennen - ich sauge alles in mir auf und generiere daraus Output. Das passiert fast von alleine...ich lasse mich einfach treiben.

Die Höhepunkt deiner bisherigen Karriere?
Hmmm, da gibt es schon so einige. Einer war sicherlich der TV-Bericht bei Vox letztes Jahr und mein im August weltweit erscheinender Hot Rod und Racing Fotoband "Speed Kings".
Ansonsten ist es schön, das Unternehmen wie Canon, Saturn oder Carrera Toys auf mich zukommen und von meinen Arbeiten so angetan sind, dass sie mit mir zusammenarbeiten wollen. Das motiviert schon ziemlich und ist natürlich auch eine Bestätigung, dass man es vielleicht doch nicht so ganz verkehrt macht...haha. Ansonsten fühle ich mich noch ganz am Anfang, ich bin beileibe noch nicht an einem Punkt angelangt wo ich mich zurücklehnen kann und sage: "Das wars jetzt, du bist jetzt halbwegs bekannt". Ich muss noch verdammt viele lernen und entdecken. Für viele scheinen meine Fotos nahezu perfekt, ich sehe das nicht so.

Warum machst du bei Kinkats mit?
Ich bin ein Anhänger nonkonformer Dinge. Bei Kinkats finde ich es beispielsweise spannend, dass die Models keine Retortenpüppchen sind, sondern selbstbewußte Frauen, die mit ihrer Art aus dem Rahmen fallen. Ich finde diese weichgezeichneteten Models ohne Kanten herkömmlicher Mainstream-Printmedien einfach nur völlig fernab jeglicher Realität und stinklangweilig. Kantinenfraß, der immer wieder aufgewärmt wird und schon lange zur Einheitssoße verkocht ist. Die Mädels, die bei Kinkats zu sehen sind entsprechen nicht diesem Klischee und machen ihr eigenes Ding. Ich mache mein eigenes Ding. Von daher passt das gut zusammen.

Wen oder was würdest du gerne mal fotografieren?
Ich würde gerne mal meine Lieblingsband wie Motörhead, Metallica, Slayer, Kraftwerk, Beastie Boys auf meine ganz eigene Art portraitieren. Und ich bin mir auch ziemlich sicher, das ich das bei der ein oder anderen Band auch in der Zukunft noch schaffen werde...hehe. Ansonsten Leute wie Al Pacino, Robert de Niro, Johnny Depp, Sean Penn...Filmstars mit Charakter. Ansonsten Lucha Libre Kämpfe in Mexiko, das Amerika wie es früher mal war und noch viele Ort wie die Osterinseln, Indien oder Japan. Die Liste ließe sich beliebig fortführen.

In welchem geographischen Raum bist du aktiv?
Weltweit. Je nach Projekt. Für Kinkats Shootings bin ich im Großraum Köln/Ruhrgebiet unterwegs. Ich bin kein Freund von Studios, sondern lege viel Wert auf Lokations mit dem gewissen etwas. Daher fotografiere ich auch viel in US-Autowerkstätten mit alten Musclecars

Interview: Rod Usher / Copyright by KinKats.com