Saturday, 20. January 2007
Back from Kyrill Chaos
Nun hat es mich also doch auch mal persönlich, live und in Farbe selbst erwischt. ich bin in die Fänge des Sturms gekommen. Am Donnerstag Abend blieb der Zug auf dem Weg nach Hamburg (man erinnere sich: Ich hatte ein Punknroll Shooting in einer Bar aufm Kiez) kurz vor Osnabrück stehen, Blitzeinschlag in der Oberleitung. Jaja, Wartezeit 2-3 Stunden. "Bitte haben Sie noch etwas Geduld". Harhar. Diskussionen der Fahrgäste entwicklen sich, es regnet und stürmt wie die Sau. Und wir stehen irgendwo im Nirgendwo. Die Getränke und Snacks im Zug werden knapp (bei dem heute auch noch das Boardrestaurant fehlte). Irgendwann gehen die Zugangestellten durch die Reihen und notieren das Reiseziel. Dann die Nachricht "Jo, also wir evakuieren den Zug." Na toll. Ich gehe in den vorderen Wagen wie mir befohlen. Die Leute haben alle Galgenhumor, man versucht sich zu "Taxifahrgemeinschaften" zusammenzuschließen, dass Problem ist nur: Es stürmt und es fahren keine Taxis mehr. Keine Chance aus dem Kaff wegzukommen. "Jo, sie werden jetzt mit Bussen evakuiert - in eine Turnhalle". Stop. Turnhalle. im Geiste ziehen die Bilder aus dem TV an mir vorbei. Massenunterkünfte, Erbensuppe, DRK. Toll. Wie im Film und ich mittendrin.

Ich renne zum Bus durch den Regen, steige in den Bus und frage den Fahrer wo er hin fährt. Turnhalle. Super. Und die anderen Busse? "Äh, der Dritte Bus fährt auch ins Hotel". Klingt schon besser. Ich renne zum dritten Bus, viele nasse Menschen quetschen sich herein. Wir fahren durch die Nacht. Nach zehn Minuten hält der Bus. "Äh ja wir haben 35 Doppelzimmer im Hotel". Ok, dann spurte mal los, denke ich.

An der Rezeption komme ich mit als erster an, neben mir ein älterer Geschäftsmann aus Hamburg im feinen Zwirn. "Also ich hätte gerne ein Einzelzimmer" - "Nein, es gibt nur Doppelzimmer". Ok, ich schaue den Herrn, den ich noch nie zuvor gesehen habe an. "Doppelzimmer, ok?" Er nickt mir zu, ich trage mich in die Liste ein, packe die Keycard und wir gehen in den zweiten Stock. Dort stellen wir uns ersteinmal vor und lachen uns kringelig. Einseits erleichtert, das wir beide im Hotel gelandet sind, andererseits über die spontane Konstellation. Wir gehen ins Restaurant, essen Steaks mit Salat, kippen ein paar Bier und erzählen uns gegenseitig Schwänke aus unserem Leben. Netter Mensch.

Die Nacht verläuft ruhig, der Herr schnarcht ein wenig, aber das ist mir egal. Dann morgens Frühstück und Abholung mit einem Bus, der uns zum Bahnhof in Osnabrück bringt. Dort geht gar nix. Keiner weiss was, kein Zug fährt. Toll und jetzt? Ich treffe Leute in einem stehenden Zug, die seit 24 Stunden im Zug sitzen, alle extrem verkatert aussehen weil sie die ganze Nacht Alkoholika konsumiert haben und den Zug trockengelegt haben. Oder so.

Zusammen mit 6 weiteren Leuten beschließe ich ein Taxi zu kapern und für 300 Euro nach Köln zurück zu fahren. Wir bestellen ein Großraumtaxi und die Fahrt beginnt. Einer von den Jungs muss ja nur seinen Urlaubsflieger nach Fuerteventura erwischen. Das wird knapp. Zusätzlich malträtiert uns der Taxifahrer, der aussieht wie Rubber Duck mit plärrendem, schlechtem Schlager. Heiterkeit. Wenn es Bier an Board gäbe, wäre es jetzt gleich alle. Dialoge der Fahrgäste mit dem Fahrer enden in schallendem Gelächter. Die Fahrt führt vorbei an zig umgestürzten Bäumen, Freitags-Staus bis wir irgendwann in Köln landen. Halleluja! Noch mal die Kurve gekriegt. Abends erfahre ich, dass die Züge immer noch nicht fahren. Ohne Taxi wäre ich immer noch unterwegs...

Das Shooting wird in ein paar Wochen nachgeholt. Darauf einen Dujardin. ;)