Sunday, 20. September 2009
Cumshots 2: Interview mit den Autoren
Und am Ende steht man plötzlich auf Blümchensex...



Nach dem großen Erfolg ihres spaßigen Buches „Cumshots - Höhepunkte der deutschen Pornofilme" haben die Autoren Manuel Grebing und Stephan Scheler noch einmal die deutschen Video-Archive auf den Kopf gestellt. Der neue Band „Cumshots 2 - Neue Ergüsse der deutschen Porno-Industrie" präsentiert wieder ca. 400 lustige Filmcover sowie eine Auswahl besonders skurriler Bewerbungsschreiben zum Erotik-Darsteller und interessante Hintergrund-Informationen der Branche. Mit uns sprachen die Beiden u.a. über die Idee und Inhalte ihres neuen Bestsellers...

Euer Autorendebüt „Cumshots - Höhepunkte der deutschen Pornofilme“ wurde tatsächlich ein Bestseller. Habt Ihr mit so einem Erfolg gerechnet?<

Grebing: Wenn wir von der Buchidee nicht absolut überzeugt gewesen wären, hätten wir damals nicht das Risiko auf uns genommen, „Cumshots“ im Eigenverlag herauszubringen. Seinerzeit waren viele Firmen und potentielle Partner im Vorfeld etwas skeptisch - aber uns war immer klar, dass ein so spaßiges Projekt sein Publikum finden wird.

Ihr hattet nun fast drei Jahre recht intensiv mit dem Porno-Business zu tun. Gab es denn - positiv wie negativ - irgendwelche besonders skurrile Geschichten und Erlebnisse, die Euch in Erinnerung geblieben sind?

Scheler: Natürlich gibt es zahlreiche Begegnungen, über die wir heute noch lachen. Vorbildlich fanden wir zum Beispiel drei Hippies vor den Hallen der Berliner Erotikmesse VENUS, die sich dort mit ihrem Motto „Fuck for Forest“ für die Umwelt engagierten. Wer auf ihrer Website einen selbst gedrehten Porno hochlädt, rettet damit ein Stück Regenwald. Das Vorwort des neuen Buches schildert die ungewöhnlichsten Ereignisse, die wir im Laufe dieser Zeit erlebt haben.

Okay, kommen wir zu Eurem neuen Werk. Was gab den Ausschlag dafür, noch einen Band zu veröffentlichen?

Grebing: Schon ganz am Anfang hatte sich herauskristallisiert, dass es viel zu viele wirklich lustige Cover und daraus resultierende Themenfelder gibt. Dadurch war uns eigentlich recht früh klar, dass es von „Cumshots“ einen Nachfolger geben wird, wenn unser Debüt Erfolg hat.

Worin liegt der Unterschied zum ersten Band? Was erwartet den Leser diesmal?

Scheler: Wir haben wieder etwa 400 Cover zusammengetragen, unter denen sich diesmal auch viele ältere VHS-Filme befinden. Die 32 verschiedenen Kapitel selbst sind noch skurriler - so geht es nicht nur um Erotik-Genres, sondern zum Beispiel auch um Geld und Politik, Computer oder das Fernsehen. Dort findet man dann Titel wie die „Lendenstrasse“ oder „Petra Wegat ... und die Schulden sind wie weggeblasen.“

Und was sind Eure eigenen Lieblingskapitel oder -cover in „Cumshots 2“?

Grebing: „Wie werde ich Porno-Star?“ ist zum Abschluss ein Kapitel mit den amüsantesten Bewerbungsschreiben, die im Laufe der Zeit bei der Porno-Industrie eingegangen sind. Es handelt sich dabei um authentische Briefe, bei denen wir teilweise geschrieen haben vor Lachen.

Scheler: Andererseits sind diese Briefe schockierend und fast schon traurig. Jedenfalls ist es unfassbar, dass jemand das geschrieben, völlig ernst gemeint und dann auch noch weggeschickt hat.

Gab es denn irgendwelche Themen, die Ihr wegen moralischer Bedenken nicht berücksichtigen wolltet?

Grebing: Stellenweise haben wir uns zwar an der Grenze des Zumutbaren bewegt, sie aber nicht überschritten. Zum Beispiel ist das Kapitel „Tiere“ viel harmloser als es klingt.

Scheler: Es ist schön, dass über unser Buch nicht nur gelacht, sondern auch kontrovers diskutiert wird. Und vielleicht darf oder muss man bei so einem Thema an mancher Stelle auch mal schocken. Denn so lustig all' diese Cover und Titel auch sein mögen, sollte man trotzdem nicht ignorieren, wie extrem und bedenklich manche Bereiche unserer Sexualität scheinbar geworden sind.

Verändert sich nicht automatisch die eigene Sexualität, wenn man sich monatelang mit einschlägigen Filmcovern befasst?

Grebing: Ich weiss nicht, ob man das allgemein sagen kann. Manche Menschen sind sensibel und nehmen schnell Abstand von dem Thema, andere werden durch die Cover sogar inspiriert. Wenn ich daran denke, was für Kataloge ich mir teilweise sogar beim Mittagessen angeschaut habe, kann man schon sagen, dass ich in der ein oder anderen Hinsicht abgestumpft bin.

Scheler: Vielleicht kehrt sich das Gefühl sogar irgendwann wieder um. Erst ist man neugierig oder schockiert, bis einen auch die härtesten Cover nicht aus der Ruhe bringen und zuletzt mag man nacktes Fleisch einfach nicht mehr sehen. Und am Ende steht man plötzlich auf Blümchensex.

Wie sieht die Zukunft für Euch aus? Wird es noch einen dritten Band geben oder habt Ihr andere Veröffentlichungen geplant?

Grebing: Begleitend zum Buch haben wir CUMSHIRTS rausgebracht - ein paar spaßig gestaltete T-Shirts, die man auf unserer Homepage bestellen kann. Doch bevor wir über einen dritten Band nachdenken, werden wir auf jeden Fall ein paar andere Sachen veröffentlichen, die mit Pornografie und Sexualität nichts zu tun haben.

Scheler: Das nächste Buch ist bereits in Arbeit und befasst sich auf sehr humorvolle Weise mit der deutschen Sprache. Ausserdem gestalten wir gerade einen aussergewöhnlichen Comic. Und wenn uns noch etwas Zeit bleibt, führen wir mit „Cumshots“ vielleicht eine Lesereise durch. Die nennt sich dann auf jeden Fall „Spritztour“...

CUMSHOTS 2 – Neue Ergüsse der deutschen Porno-Industrie, 304 Seiten, ca. 400 Abbildungen, ISBN: 978-3-9805315-7-3, Preis: 19,90 Euro/ 29,90 CHF. Weitere Infos zum Buch: http://www.cumshots-buch.de