Thursday, 12. June 2008
COLORSNOTEBOOK “FACES”
COLORS Notebook ist ein Projekt, das auf Initiative von COLORS Magazine in Zusammenarbeit mit dem Centre Pompidou in Paris und Reporter ohne Grenzen, einer Organisation zum Schutz von Pressefreiheit und zur Verteidigung von Journalisten in aller Welt, entstanden ist.

COLORS Notebook ist eine „Sondernummer“ von COLORS, die 50 leere Seiten enthält. Wer sie bekommt, kann sie füllen mit was und auf welche Art er will. Seit 2006 werden Tausende von COLORS Notebooks regelmäßig in alle Welt verschickt, um jener Menschheit eine Stimme zu geben, die niemand hören will: chinesische Gefangene, geistig verwirrte Menschen, südafrikanische Kinder, Künstler, Astronauten, aber auch ganz normale Durchschnittsmenschen. Tausende Menschen, unterschiedlich und doch gleich, haben ihr Notebook gefüllt und tun dies auch weiterhin: mit Botschaften der Kreativität, Fantasie, Verzweiflung, Angst, Bedrückung.

Jedes Exemplar von COLORS Notebook, das an COLORS zurückgeschickt wurde, ist einzigartig. Eine Nummer von COLORS ohne Filter, Redaktion oder Zensur. Eine Ausgabe, in der jeder frei ist, seine Geschichte zu erzählen und über Worte, Zeichnungen oder Fotos Botschaften in die Welt zu senden. Eine Ausgabe, um Anmerkungen oder Gedanken mit anderen zu teilen. Eine andere Art, um „dem Rest der Welt“ eine wirkliche Stimme zu geben.

Die Originale von COLORS Notebook wurden im Rahmen der Ausstellung “Fabrica: Les Yeux Ouverts” gezeigt, die in Zusammenarbeit mit dem Centre Pompidou veranstaltet wurde und neben Paris (2006) bereits auf der Mailänder Triennale, im Shanghai Art Museum (2007) und im Shiodomeitalia Creative Center in Tokio (2008) zu sehen war.

Einige COLORS Notebooks wurden für ein Medienprojekt ausgewählt, das im Frühjahr 2008 bei Birkhäuser erscheint und aus den Volumen Faces und Violence besteht.

www.colorsmagazine.com/notebook



COLORSNOTEBOOK “FACES”

Die Seiten in “Faces” enthalten eine Sammlung von Porträts und Selbstporträts, die aus den Werken Tausender Menschen aus der ganzen Welt ausgewählt wurden, die die Seiten ihres Notebook mit ihren Gedanken und Gefühlen zum Thema “Gesichter” gefüllt und an COLORS zurückgeschickt haben. Einige Ausdrucksweisen sind sehr persönlich, andere grausam politisch.

© Sfaustina
Künstlerin und Grafikdesigner, USA
Ich wollte bei einem Projekt mitmachen, bei dem man auf Menschen zugeht und das Leben dokumentiert. Als ich an dem Notebook arbeitete, wollte ich andere an meinem Leben teilhaben lassen. Auf einem Fototermin in Belize und Guatemala dokumentierte ich verschiedene Zeitspannen. Ich hatte das Notebook immer und überall dabei, bis ich es in einen Briefumschlag stecken musste.



© Cesare Bignotti alias Sinnlose Idee, 1981
Grafikdesigner, Italien
Ich kommuniziere, was ich denke, ohne Filter oder Ängste. Meine Botschaft ist in meiner Arbeit enthalten, aber sie ist nicht auf den ersten Blick zu erkennen. Ich sehe sie als Kode, Symbole, die entschlüsselt werden müssen. Meine Arbeit entspringt der Leidenschaft, nicht der Mode. Wenn ich meine Einstellung ändern würde, meine Art des Schaffens oder der Kommunikation, hätte ich das Gefühl, ich hätte aufgegeben.

© Diego Beyró, 1984
Künstler, Argentinien
Wir leben in einer Gesellschaft, in der es schwierig ist, seine ehrliche Meinung auszudrücken. Die Mienen der Menschen sind fantastisch und selbstverständlich ausdrucksfähig. Die gleichzeitige Arbeit der Gesichtsmuskeln ermöglicht Tausende Kombinationen, die Unterschiedliches ausdrücken. Mich faszinieren Gesichter und die Art, in der sich die Gesichtsmuskeln aufeinander abstimmen, um unterschiedliche Bedeutungen auszudrücken. Vom künstlerischen Standpunkt aus weiß ich nicht, ob es interessant ist, ein Gesicht zu zeigen, aber sicherlich ist es die ehrlichste Sache, die man tun kann. Denn Gesichter lügen nur selten.



© Juliana Stein, 1970
Fotografin, Brasilien
Für mich bedeutet “Er, sie oder es” [der Titel ihres Notebook] die Zweideutigkeit des Lebens als solches: Dinge, die gleichzeitig verborgen und offensichtlich sind. Wo wir etwas Bestimmtes erwarten, kommt etwas völlig Anderes zustande.

© Jacob Schere, 1971
Fotograf, Japan
Mich interessierte die Idee, eine Zeitschrift aus dem Nichts zu schaffen. Über alles Kontrolle zu haben, anstatt den Launen eines Herausgebers ausgeliefert zu sein. Ich habe eine Kombination aus Texten und Bildern zu einem Stück expressionistischem Realismus zusammengestellt. Wenn jemand mein Notebook öffnet und sieht und fühlt was ich sehe und fühle, habe ich mein Ziel als Expressionist erreicht.

© Monika Aichele, 1971
Illustratorin, Deutschland
Meine Porträts sind keine richtigen Porträts. Es sind vielmehr Prototypen einer Figur, die meiner Einbildungskraft entsprungen sind, es sind „geistige Porträts“. Normalerweise ist es das Gesicht, das Gefühle ausdrückt und die Körpersprache unterstützt. Aber das Gegenteil zu machen, Körpersprache und Gesichtsausdruck zu vertauschen, kann ebenfalls vieles ausdrücken. Das Gesicht ignorieren oder nicht zeigen, dass es andere Botschaften bringt. Ein Bild ohne Gesicht kann den Betrachter widerspiegeln, und sein Gesichtsausdruck wird dann zum Mittelpunkt des Bildes.