In “Violence” sind Werke gesammelt, die aus aller Welt eingegangen sind. Sie sind eine Anklage gegen Gewalt und berichten von den Ungerechtigkeiten in der heutigen Gesellschaft. Für den Großteil der Teilnehmer an diesem Projekt wurde Notebook zum Sprachrohr ihrer Verzweiflung, Trauer und Furcht vor Krieg, Gewalt und ihren Auswirkungen.
© Eduardo Bertone, 1977
Grafikdesigner, Argentinien
In meinem Notebook sollte alles stehen, was ich in keinem anderen Projekt sagen kann. Ich wollte auch Dinge aussprechen, die andere sagen wollen, aber nicht können. Ich habe mich vorwiegend auf die Konsumgesellschaft konzentriert, und das Symbol dafür sind die Vereinigten Staaten, weil sie eines unserer größten Probleme sind. Als ich an meinem Notebook arbeitete, hat mich das sehr geärgert, und ich habe mich darauf konzentriert.
© Bill Clark
Schriftsteller und Insasse der Todeszelle, USA
Ich brauche Geld, um einen Privatdetektiv anzuheuern, der die Regierung anklagt und die Korruption bei der Polizei aufdeckt, die zu meinem ungerechten Todesurteil führte. Ihr müsst Petitionen schreiben und alle alarmieren, die gegen die Todesstrafe sind und vor allem dagegen, einen unschuldigen Mann hinzurichten. Ich brauche Menschen auf der ganzen Welt, die sich für mich einsetzen, ihre Stimmen und ihren Einfluss benutzen, um mich zu befreien.
© Anasswa Ham, 1970
Künstler, Uganda
Unschuldige Menschen meines Stammes sind umgekommen. Meine Eltern, meine Brüder und Schwestern wurden vor meinen Augen umgebracht. Die Mörder kochten ihr Fleisch und zwangen mich, davon zu essen. Sie rissen ihnen die Kleider vom Leib, und ich sah die Nacktheit meiner Eltern, bevor sie getötet wurden. Sie schnitten ihnen Nase, Ohren und Lippen ab und zwangen meine Eltern, sie zu essen. Dann töteten sie sie.
© Pascal Hachem, 1979
Libanon
Ich bin am 4. Juli 2006 abgereist und war für drei Monate in Zürich. Ich habe alles so gelassen, als ob es nur für ein paar Tage wäre. Alle meine Sachen lagen noch auf dem Tisch: Mein Skizzenbuch, meine Notizen und meine Stifte, ganz sauber aufgereiht. Und plötzlich kam es ganz anders, mit einem SMS, das ich am 12.07.06 um 14 Uhr 33 von einem Nachbarn bekommen habe. Unser Notebook ist voller Blut, und bei uns riecht frische Luft nach Schießpulver. Jetzt haben wir viel zu erzählen. Bitte schickt einfach ein leeres Notebook ein, im Namen des libanesischen Volkes. Ich weiß nicht, ob unsere Stimmen je Gehör finden, aber ich kann mir auch nicht vorstellen, was sonst passieren soll.
© Isotta Dardilli, 1971
Art Director und Künstlerin, Italien
Ich mache das Licht in der Küche aus, stelle den Aschenbecher hin, mache das Licht wieder an. Ich öffne die Schranktür, die Mülltonne, leere den Aschenbecher. Bevor ich zurückgehe, denke ich: „Habe ich alles jetzt?“. Ich gehe wieder ins Bett. Alles klar. Lege mich endlich hin… Oh Gott, nicht drüber nachdenken. Ich stehe auf, denke nicht drüber nach, gehe noch mal in die Küche, mache die andere Schranktür auf, ohne dran zu denken, nehme die Pillen, ein Glas, die Flasche Wasser, gieße mir einen Schluck ein, mache den Mund auf, schlucke, noch mehr Wasser, stelle das Glas hin und lege die Schlaftabletten weg… diesmal habe ich sie alle genommen, die ganze Schachtel. Ich mache die Lichter aus und gehe zurück ins Schlafzimmer. Ich kann nicht schlafen. Ich kann nicht schlafen. Was soll’s, dann zeichne ich eben.
COLORS
Zu den Aktivitäten von Fabrica gehört auch die Herausgabe von COLORS, das von Benetton Group finanzierte Magazin in drei zweisprachigen Ausgaben - Englisch plus Italienisch, Französisch oder Spanisch.
Die komplette Reihe von COLORS war in der Ausstellung 25/25 im Design Museum in London (29. März-22. Juni 2007) zu sehen, in der die 25 Designobjekte gezeigt wurden, die die letzten 25 Jahre am meisten beeinflusst haben.
Das Magazin hat Auszeichnungen von Medien in aller Welt erhalten, wie beispielsweise von Good Magazine, zweimonatlich erscheinendes US-Kultur- und Gesellschaftsmagazin, das die ersten dreizehn, unter der Leitung von Tibor Kalman entstandenen Nummern in die Reihung der 51 besten Magazine aller Zeiten aufgenommen hat, oder von der spanischen Tageszeitung La Vanguardia, die COLORS unter die Kulturmagazine einreiht, die im globalen Panorama am stärksten im Trend liegen. Vor kurzem wurde COLORS in die dreiteilige, in Kanada produzierte Dokumentation Inside the great magazines aufgenommen. Darin wird die Entwicklung von Magazinen von den europäischen Anfängen bis zur aktuellen Popularität analysiert, zusammen mit dem starken Einfluss, den sie auf unsere soziale, politische und kulturelle Identität ausüben.
COLORS wird in über vierzig Ländern vertrieben und ist auch in Internet (www.colorsmagazine.com) präsent.