Tuesday, 15. June 2004
BEASTIE BOYS: „To The 5 Boroughs“
Seit gestern ist die neue Beastie Boys Paltte draussen und ich muss sagen, das dat Teil schwer rockt! ;-) Hammer! Holt Sie Euch bei amazon.de!



Vor zwei Jahren haben die Beastie Boys wieder in ihrer alten Heimatstadt New York ihr Lager aufgeschlagen. Adrock, MCA und Mike D richteten in Manhattan ein neues Studio ein, dessen schlichter Sperrholzboden sich frappant vom feinen Parkett ihrer G-Son-Studios in Los Angeles unterscheidet. Aus ähnlich derbem Holz geschnitzt sind die Songs, die das legendäre HipHop-Trio seitdem in dem Oscilloscope getauften Studio aufgenommen hat. Old School deluxe – aber diesmal fast alles aus dem Rechner. Computer generierter Wahnsinn. Durch den digitalen Fleischwolf gedrehte Samples. Hardcore-Herz, was willst du mehr. Ergo, eine Rückbesinnung auf die musikalischen Anfänge, als die Beastie Boys mit einer Mischung aus Hardcore-Punk und Rap New Yorker Clubs aufmischten, gleichwohl die Bässe an Tiefgang und die Beats an Gewicht hier und heute keine Wünsche offen lassen. Bereits ihr im letzten Jahr heftig gegen den Irak-Krieg zeternder Free-Download-Track „In A World Gone Mad…“ zeigte, wo es künftig musikalisch lang gehen sollte. „To The 5 Boroughs“, ihr erstes Studioalbum seit sechs Jahren und das erste in Eigenregie produzierte, schlägt in dieselbe Kerbe. Schon die Single „Ch-Check It Out“ hat die Hoffnung geschürt, dass auf dem Album jeder Song so kurz und prägnant sein könnte wie eine Runde im Profiboxkampf. Mit „To The 5 Boroughs“ wird aus der Hoffnung Gewissheit. Im verbalen Clinch ist und bleibt dieses Trio unschlagbar. Kein Wunder, dass bereits die Single respektive der fulminante Videoclip ohne Umschweife auf die Spitzenplätze etlicher internationaler Playlists schossen.



Bronx, Brooklyn, Manhattan, Queens und Staten Island heißen die fünf großen Bezirke New Yorks und das Cover-Artwork von „To The 5 Boroughs“ zeigt eine Skyline von New York, auf der das World Trade Center noch steht. Allein der Song „An Open Letter To N.Y.“ ist eine einzige Liebeserklärung an ihre Heimatstadt. Aber die Beastie Boys verteilen nicht nur Streicheleinheiten. In ihrer Kritik an George W. Bush und dessen Politik schlagen sie sich auf die Seite von Michael Moore, der mit seinem Film „Fahrenheit 9/11“ gegen die amtierende US-Regierung so gekonnt polemisierte, dass er in Cannes die Goldene Palme erhielt. Auch die Beastie Boys formulieren ihre Kritik mit beißender Schärfe. Auf „Time To Build“ rappt MCA: „We’ve got a president we didn’t elect/the Kyoto treaty he decided to neglect/and still the U.S., just wants to flex”. Und gemeinsam stimmen sie auf “That’s It That’s All” überein, “cause George W’s got nothing on me/we’ve got to take the power from he”. Zudem geben sich die Beastie Boys in ihren popkulturellen Referenzen zitatfreudiger denn je. Fred Sanford, Lorne Greene, Keeber Elves, Ron Popeil, Herman Munster, Jabba the Hut, Foghorn Leghorn – man muss sich schon in der amerikanischen Film- und Fernsehwelt gut auskennen, um mit dem Tempo mithalten zu können, in dem die Beastie Boys hier amerikanische Kultfiguren zitieren. Wie heißt es so schön in “All Lifestyles”: “We gotta keep the party goin’ on/All lifestyles, sizes, shapes and forms”. MCA, Adrock und Mike D sind in bestechender Form, auch wenn sie die Zunft mit Zoten dissen („Hey Fuck You“) oder die Funk-Fetzen fliegen lassen („Shazam“).

Die Kompromisslosigkeit ihrer Sounds und der furiose Sprachwitz sind vielleicht die größten Stärken des Albums, das ein für alle mal klarstellt, dass die Beastie Boys zu den besten und zuverlässigsten HipHop-Acts dieses Erdenrunds gehören. „To The 5 Boroughs“ ist ein 15 Tracks umfassender Parforce-Ritt, atemberaubend in seiner Fabulierkunst und unausweichlich in seiner Zielgenauigkeit. Ein bravouröses Statement fürs 21. Jahrhundert. Eine eindrucksvolle Zwischenbilanz ihrer Karriere hatten die Beastie Boys bereits zur Jahrtausendwende gezogen. Mit dem Doppelalbum „The Sounds Of Science“ (1999) legten die Beastie Boys zunächst eine Werkschau vor, die eindrucksvoll unterstrich, was dieses Trio für den US-amerikanischen HipHop geleistet hat. Mit jedem neuen Album zwischen ihrem epochalen Debütalbum „Licensed To Ill“ und dem mit zwei Grammys ausgezeichneten „Hello Nasty“ haben sie ihre Lust auf Innovation und ihre immer wieder beeindruckende Spritzigkeit ein ums andere Mal unter Beweis gestellt. Die Beastie Boys sind zu Galionsfiguren des weißen US-HipHop erwachsen, ohne die auch ein Eminem kaum denkbar wäre. Nach „The Sounds Of Science“ folgte die DVD „The Beastie Boys Anthology“ (2000), deren technischen Finessen wahrlich à la bonne heure sind. Diese in der renommierten Criterion Collection erschienene DVD gehört zu den wegweisenden Meisterwerken ihrer Art. Darüber hinaus investieren die Beastie Boys viel Zeit und Energie in zahlreiche politisch und sozial motivierte Aktionen. Ihre diversen Tibetan Freedom Concerts sind in den letzten Jahren zu einer weltweiten Institution geworden. Und auch mit ihrem New Yorkers Against Violence Festival im Oktober 2001 waren sie einmal mehr zur rechten Zeit am rechten Ort. “Having fun in troubled times”, benennt MCA auch das Motto des neuen Albums. Und wenn es demnächst wieder auf Welttournee geht, heißt es für die Fans: Party for your right to fight!